Im Weiler Egg, rund acht Kilometer südlich von Einsiedeln gelegen, befindet sich ein Ensemble aus Wohnhaus und Stall, eingebettet in die voralpine Landschaft des Kantons Schwyz. Mit rund 520 Einwohnern ist Egg ein überschaubarer, landwirtschaftlich geprägter Ort, südlich begrenzt durch den Sihlsee und westlich flankiert von der Sihl. Die Gebäudegruppe liegt in der Landwirtschaftszone, am Hansenweg. Das bestehende Wohnhaus und der angrenzende Stall stammen gemäss bauhistorischem Gutachten aus der Zeit um 1780 und bilden ein ortsbildprägendes Ensemble.
Ein zentrales Anliegen der Bauherrschaft ist es, das Haus an die nächste Generation weiterzugeben und gleichzeitig weiterhin auf dem Hof zu leben. Der historische Stall, dessen frühere Nutzung als Tierunterstand den heutigen Vorschriften nicht mehr entspricht und der derzeit als Garage dient, soll in eine Wohneinheit umgebaut werden.
Das Projekt versteht sich als Weiterentwicklung eines historischen Gebäudes im ländlichen Raum, mit grosser Sorgfalt gegenüber dem baukulturellen Erbe und unter Berücksichtigung zeitgemässer Komfortansprüchen und Lebensformen. Im Zentrum steht die Transformation des Stalles zu einer kleinen, eigenständigen Wohneinheit unter Rücksichtnahme auf den Bestand.
Das Wohnhaus und die Scheune stehen inmitten einer landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft. Die umgebende Fläche bleibt unverändert und respektiert den Charakter des Ortes.
Im ehemaligen Viehbereich im Erdgeschoss entstehen eine Waschküche und ein Technikraum. Das südlich gelegene offene Tenn dient künftig als Erschliessungsraum und beherbergt die neue Treppe.
Eine Besonderheit des Stalls bilden die offenen Strickwände des Heustocks im Obergeschoss. Sie bleiben als tragende und raumgliedernde Elemente erhalten. Ihr Charakter als visuelles und konstruktives Rückgrat prägt die räumliche Struktur des Umbaus. Eine neue, innenliegende Glasfassade bildet die thermische Hülle für die kompakte 3-Zimmerwohnung. Die historische Strickstruktur bleibt ablesbar, wird aber mit einem sekundären Strickbau ergänzt, der die Schlafräume und das Bad bildet. Die bestehenden Durchgänge im Strickbau erhalten dort, wo es erforderlich ist, eine Vergrösserung, um eine durchgängige Raumfolge von der Küche über das Esszimmer bis zum Wohnraum zu ermöglichen. Die West-Laube wird statisch und konstruktiv erneuert und bringt Licht in die Tiefe des Gebäudes. Sie steht als Lager- oder Aussenraum zur Verfügung.
Die neu eingebauten Räume im Obergeschoss werden mit einer Vollholzdecke abgeschlossen, wodurch die Hälfte des Dachraumes als Galerie genutzt werden kann.
Die vorhandene Fassaden- und Dachkonstruktion erfährt eine statische Ertüchtigung und Aussteifung. Die dabei entstehenden Mehrlasten werden weiterhin über das tragende Bruchsteinmauerwerk im Erdgeschoss in den Baugrund abgeleitet.
Die bestehende Fassadenverschalung wird demontiert, wiederverwendet und punktuell durch neue Holzbretter ergänzt. Der ursprüngliche Ausdruck der Fassade bleibt dabei erhalten, während gezielte Öffnungen zur besseren Belichtung der Innenräume beitragen.
Im Zuge einer früheren Fassadensanierung wurden Öffnungen bei der Laube sowie im Dachgeschoss unter dem First geschlossen. Diese werden nun wieder geöffnet und mit Klappläden versehen. Im 1. Obergeschoss entsteht eine grosszügige Öffnung, die mit einer klappbaren Verschalung ausgestattet wird. Diese lässt sich je nach Bedarf öffnen oder schliessen und ermöglicht so eine flexible Belichtung und Belüftung.
Im Erdgeschoss bleiben die bestehenden Türen und Tore unverändert erhalten. Im Obergeschoss tritt die neue Fassade mit Fenstern auf beiden Seiten des Strickbaus in Erscheinung und macht die innere Neuorganisation auch nach aussen ablesbar.
An der Westfassade erfährt das Erdgeschoss eine Freilegung der vorhandenen Bögen, wodurch deren ursprüngliche Struktur wieder sichtbar zum Vorschein kommt. Im ersten Obergeschoss erhält die Laube vier regionaltypische Lamellenfenster, die Tageslicht tief in den ehemaligen Heustock leiten.